Museumsmühle Abbenrode am Elm

F. G. Jünger

Die Mühlen

Wie mühsam scheint dem frischen Geiste,
Wenn er sich freudig regt, der eine
Stets wiederholte Schwung, wie lähmt ihn
Der immer gleiche Lauf der Steine.

Denn wenn ich auch den Zwang begreife,
in dem die Werke mürrisch gleiten,
Weil Kraft und List sie so bezwungen,
Dass sie gebrochen, wo sie streiten.
So spür´ ich doch den Hass der Knechte,
Die sich tief unten rastlos regen.
Ich höre sie im Joche knirschen,
Wenn sie gezwungen sich bewegen.

Den Läufer seh´ ich, der sich seufzend
Zu dreh´n beginnt, wie er im Kreisen
Hineilend wiederholt ein Gleiches,
Den harten Gang von Stein und Eisen.

Wenn er dahinrollt ohne Ende,
Geschwungen von dem Strahl der Spindel,
Die nie ihn freigibt, dann erfasst mich
Bei solchen Mühlen oft ein Schwindel.

Ein Zittern läuft durch all die Räume,
In denen weiße Stäubchen schweben.
Wenn unter mir die Böden schwanken,
Fühl´ ich die Mühle in mir beben.

Leblos drängt sich nun ins Leben,
Denn langer Dienst häuft die Empörung,
Und müde ihrer Fron begehren
Die Werke Ruhe und Zerstörung.



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